GESCHICHTE



NEU: Zeitreise Erzberg : sehen Sie anhand von einzigartigen Bildern, wie sich der Erzberg im Laufe der Jahrhunderte verändert hat.

 

Zur Geschichte:

Die Eisenerzer Alpen, in denen die Stadt Eisenerz und der Erzberg liegen, gehören in die sogenannte Grauwackenzone. Reich an Kupfer- und Erzlagerstätten waren sie nicht zuletzt deshalb jeher Anziehungspunkt für Menschen. Nachweislich wurden bereits in der Bronzezeit die reichen Erzlagerstätten in den Eisenerzer Alpen ausgebeutet. Die angeblich älteste schriftliche Nachricht zu Eisenerz und dem Erzberg soll sich in der katholischen Pfarrkirche von Eisenerz, der Kirche St. Oswald, befunden haben. Eine zur linken Seite des Hochaltars längst verwischte Inschrift soll die „Erfindung des Eisenerzbergwerkes“ im Jahr 712 nach Christus wiedergegeben haben. Eine weitere historische Quelle ließ sich einst auch in Steyr an der Enns ausmachen, die diese Jahreszahl bekräftigte.

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Ursprünglich bauten sogenannte Eisenbauern ober Tage in Form von flachen Gruben am Erzberg das Gestein Braunerz ab. Diese Abbauform nennt sich Pingenbau, wobei weichere Erze gewonnen wurden und nur vereinzelt Eisenbauern größeren Erzkörper in die Tiefe folgten. Die ersten urkundlichen Nennungen finden sich ab dem 12. Jahrhundert. Festgehalten wurde etwa, dass ab Mitte des 12. Jahrhunderts die Eisenbauern von den jeweiligen Landesherren ihr Schürfrecht erhielten.

Im 16. Jahrhundert wurde auf kaiserliche Anordnung der Stollenbau eingeführt. Zu diesem Zeitpunkt erschöpften sich die Erzpartien an der Oberfläche und Bergleute mussten unter Tage in 8 bis 10 Meter hohen Zechen den Erzkörpern nachgehen. Mit dem Abbau und der Verhütung von Erzgestein entstand zu beiden Seiten des Erzberges Orte der „aerze“, die sich nach ihrer geografischen Lage „inner dem Berge“, sprich Innerberg (heute Eisenerz), und „vor dem Berge“, sprich Vordernberg, benannten. Diese beiden Orte spiegelten sich auch am Erzberg wieder. So gab es einst das obere Vordernberger Revier und das darunterliegende Eisenerzer Revier, die beide am 25. Juli 1524 durch die Ebenhöhe, einer Grenzlinie auf 1186 Meter Seehöhe, voneinander getrennt wurden. Diese Trennung spiegelte sich wiederum auch in den beiden Ortschaften wider: Zwischen 1448 und 1450 wurden sie marktrechtlich streng voneinander getrennt. Von nun an sollte der obere Teil den Vordernberger und der untere Teil den Innerberger Radmeistern und Hammerherren gehören und bei künftigen Bergneuvergaben und Berglehen nicht überschritten werden. Der Verlagsort des Vordernberger Eisens war Leoben, für das Innerberger Eisen Steyr.

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Um die Stollen und die händische Erzgewinnung unter Tage vorantreiben zu können, verwendeten die Eisenerzer und Vordernberger Knappen „Schlägel (Hammer) und Eisen“. Pro Tag waren es oft nur wenige Zentimeter, die die Bergmänner mit ihrem Gezähe (Werkzeug) unter Tage vorankamen. Erst mit dem Einsatz des Sprengpulvers im Jahr 1720 änderte sich dies. 1870 wurde dann erstmals mit Dynamit gesprengt und bereits sechs Jahre später gelang die Einführung elektrischer Minenzünder. Das Herstellen der Bohrlöcher erfolgte bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Hand. Ab 1906 wurden Stoßbohrmaschinen eingeführt und dazu ein Pressluftnetz am Erzberg ausgebaut. 1930 erfolgten erste Versuche mit Bohrkränen und seit 1970 werden ausschließlich selbstfahrende hydraulische Bohrgeräte eingesetzt. Sprengungen am Erzberg zählten bereits um 1900 zu den besonderen Besucherattraktionen.

Seit jeher war der wichtigste Begleiter der Bergleute unter Tage das „Geleucht“. Die ewige Nacht der Stollen wurde bis ins 19. Jahrhundert mit einfachen Kerzen, der Unschlitt-Lampe, Heinzenleuchten oder Bergzinthen ausgeleuchtet, wobei jedem Bergmann pro Schicht zwei Kerzen zur Bestückung der Lampe kostenlos zur Verfügung standen. Um 1820 wurde am Erzberg die Öllampe eingeführt. Von 1820 bis etwa 1905 war vor allem die Rübol-Lampe vorherrschend, die je nach Bauart am Steirischen Erzberg auch als Frosch- oder Schiffchenlampe bezeichnet wurde. Um die Wende zum 20. Jahrhundert erfolgte schließlich der Wechsel von der bis dahin verwendeten Öllampe zur wesentlich helleren Acetylen- oder Karbidlampe. Innerhalb von nur wenigen Jahren verdrängte die mit Wasser und Kalziumcarbid gefüllte Lampe sämtliche offene Beleuchtungskörper und war bis Mitte des 20. Jahrhunderts vorherrschende Lichtquelle. Heute ist die Karbidlampe aus den Bergbauen Mitteleuropas fast vollständig durch elektrische Lampen ersetzt. Bis auf wenige Ausnahmen dient gegenwärtig dem Bergmann die elektronische Kopflampe als tragbares, bergmännisches Geleucht.

Das bis ins Mittelalter abgebaute Braunerz verhütteten die Eisenbauern zu Beginn in sogenannten Windöfen. Die Lage dieser Windöfen musste stets mit Bedacht gewählt werden, war die Kraft des Windes ausschlaggebend für Erfolg oder Misserfolg. Wichtig war ein konstanter Luftzug, der durch zahlreiche Windöffnungen in der unteren Hälfte der Öfen den Brenn- und Schmelzprozess vorantrieb. Nicht zu vergessen ist, dass das gesamte Umfeld der Eisenbauern auf bäuerliche Selbstversorgung aufgebaut war.

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Neue technische Errungenschaften brachten schließlich eine grundlegende Veränderung mit sich: die Nutzung der Wasserkraft durch den Einsatz von Wasserrädern, die für den Antrieb von Blasbälgen in den Eisenschmelzanlagen sorgten. Demzufolge verlegte man diese Schmelzanlagen an die Bachläufe in den Tälern, wo sich alsbald pulsierende Lebensadern von Radwerken durch Eisenerz und Vordernberg zogen. Mit dieser neuen Technik verlagerte sich aber nicht nur die Arbeit der Eisenbauern, sondern auch das tägliche Leben der Bevölkerung hinunter ins Tal. Im frühen 16. Jahrhundert gab es in Eisenerz 19 Radwerke, in denen Rauheisen erzeugt wurde und die von sogenannten Radmeistern geführt wurden. Im Unterschied zu den Eisenbauern handelte es sich bei diesen Vertretern um Leiter eines straff organisierten Betriebes, der bis zu 100 Arbeiter beschäftigte. Dabei unterschied man je nach Art und Ort der Tätigkeit zwischen drei Gruppen: erstens den Stoll- und Erzhäuern am Erzberg, sowie den Erz-fördernden Sackziehern, zweitens den Holzknechten, Flößern, Rechenarbeitern und Kohlenbrennern, die für die benötigte Holzkohle verantwortlich waren, sowie drittens den Blähern und ihren Gehilfen in der Schmelzanlage. Der Weg vom Erz zum Eisen war für alle Beteiligten ein langer und kräfteraubender. So waren etwa die Sackzieher jene Arbeiter, die das Erz in Sackzügen vom Erzberg ins Tal zur weiteren Verarbeitung in den Radwerken zogen. Das Erz wurde dabei am Erzberg in Säcke gefüllt und vom Sackzieher mittels eines Gestells, oder im Winter mit einem Schlitten, ins Tal gebracht. Um sich von den anstrengenden Strapazen etwas erholen zu können, waren es meist Frauen, die den leeren Sackzug vom Tal wieder bergwärts trugen. Waren es in Eisenerz meist männliche Sackzieher, verrichteten in Vordernberg hingegen Pferde diese Arbeit. Ab dem 16. Jahrhundert verwendeten die Sackzieher für ihre Arbeit sogenannte „Hunte“ – Transportwägen mit Rädern.

An Stelle des Sackzuges wurde von 1810 bis 1870 ein Fördersystem mit Stollen und Schächten am Erzberg angelegt, das den Transport der gewonnenen Erze auf einem einzigen Hauptförderweg ermöglichte. Nun wurde mit Grubenhunten auf Schienen das Erz am Erzberg befördert, und im Anschluss mittels Pferdefuhrwerke zu den Hochöfen ins Tal weitertransportiert.

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Im Jahr 1810 wurde am Erzberg die erste Eisenbahn angelegt und binnen 21 Jahren ein System aus mehreren Bahnen aufgebaut, das um den ganzen Erzberg führte. Aber auch im Berginneren wurden einzelne Stollengänge mittels Sturzschächte verbunden und derart die Erzlieferung vom Erzberg bis ins Tal rationalisiert. Gesammelt wurde das gewonnene Erz an der zentralen Stelle am Fuße des Erzberges: auf der sogenannten Seybold-Halde, von wo es über den Huntslauf an die drei Eisenerzer Hochöfen – Rupprecht-Hochofen, Kaiser Franz-Hochofen und Wrbna-Hochofen – geliefert wurde.

Der immer weiter fortschreitende Abbau brachte stets Änderungen in der Trassierung der Bahngleise mit sich. Ebenso waren es die immer größeren Abbaumengen, die ab 1951 den Einsatz erster Schwerlastkraftwagen erforderten und die wiederum sukzessive die Schienenhunte verdrängten. Seit dem Jahr 1963 werden jegliche Transportarbeiten von Schwerlastkraftwagen verrichtet, sprich der Transport des abgebauten Erzes ist seitdem nicht mehr an ein Gleissystem gebunden.

Ein typisches Charakteristikum von Eisenerz, das noch heute im Landschaftsbild deutlich zu erkennen ist, waren die dem westlichen Eisenerzer Talgrund entlang fahrenden Erzzüge. Diese in die Landschaft eingeschnittene Pferdeförderbahn wurde in Eisenerz „Huntslauf“ genannt und war für die Beschickung der Hochöfen im Tal essenziell. Ab 1882 führte dieser Huntslauf nicht nur ins Tal, sondern er wurde bis zur neu entstandenen Erzverladestation am Bahnhof Eisenerz verlängert. Die Pferdefuhrwerke wurden zudem sukzessive ersetzt.

Im Jahr 1873 wurde die Bahnstrecke von Eisenerz nach Hieflau eröffnet. Ab 1883 wurde die Förderstrecke schließlich zweigleisig ausgebaut und ab 1891 durchgehend befahrbar gemacht. Um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert wurden die ersten E-Loks für den Erzberg angeschafft, drei Jahre später liefen bereits sieben 50-PS-Lokomotiven des Typs Siemens-Halske. Mit den Zügen wurde nicht nur das Erz zu den Verladestationen und Hochöfen ins Münichtal transportiert, auch die Belegschaft fuhr zu den Arbeitsstätten am Berg. Bis 1985 verkehrten jeweils drei Garnituren auf der Strecke, die jedoch durch die Errichtung der modernen Verladeeinrichtung neben der Aufbereitungsanlage im Krumpental obsolet wurden.

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Der wirtschaftliche Aufschwung und die fortschreitende Technisierung um 1900 forderten immer mehr Arbeitskräfte für einen florierenden Erzabbau. Aus diesem Grund wollte man die Arbeiter und Arbeiterinnen so nah als möglich an die Arbeitsorte bringen. Zum einen gelang dies durch die Zubringerbahn Hugo-Stinnes und zum anderen wurden noch vor dem Ersten Weltkrieg erste einfache Holzhäuser am Erzberg gebaut. Augustin, Maschin, Frey I, Kogel, Barbara, Rudolfi, Johann, Leiten, Christoph, Faistawiese, Kunigunde oder Wismath sind die Namen der Wohnsiedlungen, die im Laufe der Jahre am Erzberg entstanden. Die größte, am weitesten entfernte und mit 1270 Höhenmetern höchstgelegene Siedlung am Erzberg war Wismath. Über 100 Beschäftigte fanden bis 1971 dort Arbeit in der größten Reparaturwerkstätte, der Werkstätte Volleritsch. Darüber hinaus gab es ab 1964 einen mit drei Mann besetzten Gendarmerieposten, sowie das Kaufhaus Meinl.

Jahrhundertelang arbeitete man am Steirischen Erzberg im sogenannten Passbetrieb, so auch um 1900. Einzelne Arbeitspartien, sogenannte Küren oder Passen von vier bis acht Häuern, gewannen das Erzgestein in Handbetrieb mit Druckluftbohrhämmern, Hammerbohrmaschinen und Sprengungen. Anschließend musste der „Abrenker“, an einem Seil hängend, die 12 Meter hohe Front vom lockeren Gestein befreien. Das Hauwerk wurde direkt vor Ort zerkleinert und nach tauben und erzhältigen Gestein getrennt und in Kipper verladen. Die Berge, das taube Gestein, wurden mit Dampf- und Elektrolokomotiven direkt auf die Halde gebracht. Das Erzgestein des Vordernberger Reviers wurde zu den Hochöfen nach Donawitz, das des Innerberger Reviers nach Donawitz oder zu den beiden Hochöfen im Eisenerzer Ortsteil Münichtal gebracht. Als ab 1910 der Kauf von Dampfbaggern immer stärker forciert wurde, kam es zu einer innerbetrieblichen Transportsystemerneuerung: das vom Dampfbagger gewonnene Hauwerk wurde nicht mehr vor Ort zerkleinert und sortiert, sondern kam über Brecheranlagen in zentrale Sortier- bzw. Klaubanlagen am Erzberg. In diesen Klaubanlagen wurde das taube Gestein vom erzhältigen Gestein – überwiegend von Frauen – per Hand getrennt.

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Sein Aussehen in Form einer markanten Pyramide erhielt der Erzberg ab 1890, als der stufenförmige Tagbau eingeführt wurde. 1907 waren es 60 Stufen mit 12 Metern Höhe. Ab 1928 halbierte man die Anzahl der Stufen auf 24 Meter, die nach Heiligen oder verdienten Bergleuten benannt wurden, und die dem Erzberg eine mächtige Imposanz verleihen. Diese dominante Gestalt ist es auch, die Jahr für Jahr tausende Besucher anzieht. Das formatfüllende Motiv Erzberg ist aber nicht nur bei unseren Gästen beliebt. Auch uns beeindruckt der „Berg“, wie wir ihn nennen, Tag für Tag von Neuem. Der Erzberg ist und bleibt eine mystische Kraft, der sich niemand entzieht.

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