Exponate Freiluftausstellung



ÄSTHETISCHE IDEE

Die Freiluftausstellung „Oswaldi“ auf der „Steirischen Eisenstraße“ lädt Sie ein, Geschichte und Bedeutung des Erzbergs sinnlich zu erleben. Sie führt auf geschlungenen Wegen über die grüne Anhöhe „Oswaldi-Rücken“ – eine verwunschene, grüne Oase inmitten des aktiven Tagebaus Erzberg. Erleben Sie hautnah, wie die Bergleute seit 1.300 Jahren die steirische Kulturlandschaft prägen und „Berge versetzen“. Erfahren Sie die Entstehungsgeschichte des Bergbaus an authentischem Ort mit idyllischer Landschaft und hartem Landschaftseingriff mit schwerer Technik in engster Verbinung. Lassen Sie sich zum Nachdenken anregen über unsere moderne Lebensform, in der das Eiseneine grundlegende und alltägliche Rolle spielt*.

 

NATUR UND INDUSTRIE

Die Freiluftausstellung ermöglicht das intuitive, freie Erkunden des Areals. Ziel der Gestaltung von transform-ARCHITEKTUR+KUNST ist das sinnliche Erlebnis historischer Geräte inmitten originaler Tagebaukulisse sowie moderner, skulpturaler Ausstellungselemente. Aussichtspunkte regen zum Verweilen und Zitate zum Nachdenken an.

 

REFLEXION UND VISION

Entlang der Wege zeigen skulpturale Worte Zusammenhänge und Hintergründe auf: unseren Umgang mit Ressourcen, die Leistungen des Bergbaus und unsere industriegeprägte Kultur. Die Ausstellung gibt Ihnen Raum und Zeit zum Reflektieren. Sie möge Sie berühren und zum Nachdenken anregen – beispielsweise über unsere industriell geprägte Zivilisation und die Kulturlandschaft, die sie erzeugt.

 

*Unsere aktuelle Zeitepoche wird von vielen Wissenschaftlern bereits als „Anthropozän“ bezeichnet: Nach der natürlichen Weltentwicklung bis zum Quartär ist nun vor allem der Mensch zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse auf der Erde geworden.

Die Freiluftausstellung „Oswaldi“ ist von Rainer Düvell und Karsten Feucht (transform – ARCHITEKTUR) im Auftrag von VA-Erzberg und mit Unterstützung der EU LEADER/ILE konzipiert und gestaltet worden.

 

DIE EXPONATE AUS DEM BERGBAU

1.)   1000m Stein

Der behauene Stein stand früher genau auf 1000m Seehöhe, hatte jedoch keinen besonderen Zweck, er sollte nur anzeigen, daß man sich jetzt auf eben dieser Höhe befindet. Das Alter des Steines läßt sich nicht genau eruieren, da er in den geschichtlichen Aufzeichnungen nicht erwähnt wird. Die erstmalige Darstellung in einem Plan ist im Jahr 1910. Da stand er oberhalb der Werksiedlung Barbara am Johannrücken. Seine letzten Standorte waren auf der Verbindungstraße vom Gerichtsgrabensturz zur Etage Wegstollen bzw. zuletzt auf der Rampe Wegstollen – Polster im Tagbaubereich. Da er dort jedoch nicht mehr vor Beschädigung sicher und auch dem fortschreitenden Tagbau im Weg war, wurde er hierher überstellt.

 

2.)    Schachtkran

Dieser gleisgebundene Kran diente zum Bau bzw. zur Wartung von Sturzschächten.
Zu einer Zeit, wo auf jeder Etage noch der Gleisbetrieb herrschte, konnte das Material nur über Schächte oder Aufzüge (sogenannte Bremsberge) weiter nach unten gebracht werden. Folglich gab es eine große Anzahl von Sturzschächten, die meistens nur über ein bis zwei Etagen reichten, aber auch größere Höhen hatten. Abhängig vom durchfahrenen Gestein waren einige Schächte in sehr porösem Material, weshalb diese Schächte ausgemauert wurden. Unter anderem für solche Aufgaben fand dieser Schachtkran Verwendung. Der erste Einsatz ist Anfang der 1950er Jahre dokumentiert, wobei es auf dem ganzen Erzberg mehrere solcher Kräne im Einsatz waren.

 

3.)   Wurfschaufellader Salzgitter HL300

Diese gleisgebundenen Wurfschaufellader gelangten nur im Grubenbetrieb zum Einsatz. Insgesamt wurden davon 14 Stück im Zeitraum von 1943 bis 1960 angeschafft.

Die Arbeitsweise eines Wurfschaufelladers: Angetrieben wird das Gerät mit Preßluft. Von den auf dem Erzberg befindlichen 3 Kompressor-Stationen wird diese über ein Rohleitungsnetz bis zu den Abbauen in der Grube geleitet. Zur Bedienung verfügt der Salzgitter-Lader über 2 Hebel, die in alle 4 Richtungen bewegt werden können. Mit der linken Hand bewirkt die Vorwärts- und Rückwärtsbewegung das auf- und absenken der Schaufel, und in der Seitwärtsbewegung das Schwenken nach links und rechts, wobei der Schwenkbereich auf 30 Grad in jede Richtung beschränkt ist. Mit der rechten Hand wird das Vorwärts- und Rückwärtsfahren gesteuert. In der Seitwärtsbewegung zum Körper wird damit der Kupplungshaken für den Kipper gesenkt sowie ein Stößel aktiviert, der den Kipper vom Lader abstößt, und die Andere das Aufheben der Anhängevorrichtung. An dem Lader wird immer nur ein leerer Kipper angehängt, der folgendermaßen befüllt wird. Der Lader fährt vorwärts in das Hauwerk und hebt die Schaufel an. Diese wird nun mit Schwung über das Gerät nach hinten geführt, und der Inhalt in den angehängten Kipper geworfen, daher der Name Wurfschaufellader. Da die Schaufel starr montiert ist, muß er nun wieder etwas zurückfahren, um mit der nach unten gesenkten Schaufel wieder in den Haufen fahren zu können. Dieser Vorgang wiederholt sich 4- bis 5-mal, bis der Kipper voll ist, der dann nach hinten abgestoßen wird, und ein neuer leerer Kipper angehängt wird. Wenn der Lader zum Befüllen zur Seite gedreht wird, so dreht er sich automatisch wieder gerade, sobald die Schaufel angehoben wird.

Mit der Umstellung von gleis- auf gleislosen Betrieb Anfang der 70er Jahre wurden am Erzberg diese Lader abgestellt. In der Radmer waren ebenfalls einige davon eingesetzt, und dort war dann auch ihr letzter Einsatzort, wo die Letzten im Jahr 1979 abgestellt wurden. Zur Erinnerung an ihren Einsatz in der Radmer steht heute die Nr.7 beim Gemeindeamt Radmer als Schaustück.

Gewicht: 5,5 t
Löffelinhalt: 0,3 m³
Arbeitsleistung: ca. 50 t/h

 

4.)   Wurfschaufellader Eimco 630

Im Rahmen der ERP-Hilfe kamen aus Amerika viele Bergbaugeräte zu uns. Darunter waren auch 12 Stück gleisgebundene Wurfschaufellader Eimco21, die sich von den Salzgitterladern insofern unterscheiden, daß sie mit der Hand zur Seite gedreht werden mußten, und auch keinen Stößel zum Abstoßen der Kipper hatten. Ihre Bedienhebel konnten daher nur nach vorne und hinten bewegt werden, und sie waren auch etwas kleiner als die Salzgitter. Ihr Gewicht: 3,5 t.

Die Weiterentwicklung war dann der Eimco 630, der jetzt auf Raupenbändern für den gleislosen Betrieb war. Er wurde z.B. für den Bau von Bremsbergen benötigt. Ein Bremsberg ist eine Rampenverbindung in der Grube zwischen zwei Horizonten. Die gleisgebundenen Geräte wurden hier mit einem Haspel nach oben gezogen. Beim Bau jedoch konnte noch kein Gleis gelegt werden, wofür dann die Raupenlader zum Einsatz kamen. Zum Beladen konnten hier ja keine Kipper verwendet werden, daher wurden zu den Raupenladern auch die Joy-Pendelwagen eingesetzt.

Auch von der Firma Salzgitter gab es solche Raupenlader, von denen einige auch mit einem zusätzlichen Behälter ausgerüstet waren, der mehrere Schaufeln voll aufnehmen konnte. Diese „Rucksacklader“ konnten dann auch eigenständig ohne Pendelwagen arbeiten.

Von den Raupenladern waren nur 5 Stück im Einsatz, wovon 2 von Eimco und 3 von Salzgitter waren.

Gewicht: 4,3 t

 

5.)   Elektrobagger Menck & Hambrock Type EN Nr.XXIV

Der Baggerbetrieb am Erzberg wurde im Jahr 1910 mit dem ersten Dampfbagger eingeführt. Im Vergleich zum bisherigen Handabbau stellte dies die erste große Umstellung dar. Mit dem Bagger mußten natürlich weitere Fördergeräte angeschafft werden. Es brauchte neue Baggerhunte und auch neue Dampflokomotiven zum Abtransport des Materials. Ein weiteres Problem stellte die mit dem Bagger nicht mehr mögliche Trennung von Erz und Berge am Gewinnungsort dar. Darum wurde der Bagger anfangs nur für den Transport von taubem Gestein zum Sturz verwendet. Zur besseren Auslastung und auch wegen der steigenden Zahl von Baggern wurden dann auch die ersten Klaubanlagen gebaut, in denen die Frauen das Gestein von Hand sortierten.

Die ersten Dampfbagger hatten einen großen Kessel und wurden mit Kohle beheizt. Sie liefen außerdem noch auf Schienen, und bis zum Ende des ersten Weltkrieges wurden 15 Stück von der Firma Menck & Hambrock geliefert.

Die ersten Elektrobagger kamen 1928, welche dann schon mit Raupenbändern ausgestattet waren. Den großen Aufschwung erlebte der Baggerbetrieb schließlich 1938. Bis zum Jahr 1944 kamen insgesamt 26 Elektrobagger und noch 8 kleinere Dieselbagger auf den Erzberg. Bei Kriegsende standen somit zusammen mit den älteren Dampfbaggern 46 Bagger in Betrieb, es waren also fast auf jeder Etage ein Bagger vorhanden. Der Handabbau wurde in dieser Zeit gänzlich eingestellt. In der folgenden Zeit bis 1968 wurde der gesamte Verhau nur mit Baggern bewältigt. Danach begannen die neuen Radlader diese zu ersetzen, und durch ihre flexiblere Einsatzmöglichkeit lösten sie schließlich bis 1995 die Bagger zur Gänze ab.

1945 verlor der Erzberg 19 Bagger, welche als Reparationszahlung an Rußland abgegeben werden mußten. In den folgenden Jahren wurde der Verlust durch die Neuanschaffung von 5 Stück aus Amerika gemindert, und im Jahr 1970 kamen im Zuge einer generellen Modernisierung des Tagbaues noch 4 Großbagger der Firma Harnischfeger auf den Erzberg. 1990 wurde schließlich der letzte Elektrobagger abgestellt.

Der hier befindliche Elektrobagger der Firma Menck & Hambrock kam als Nummer 24 im Jahr 1943 auf den Erzberg. Diese Type EN stellte zusammen mit dem Vorgängermodell Type E mit 10 Stück die größte Anzahl. Dementsprechend groß war auch der Verlust, denn nach dem Krieg blieben nur mehr 3 Stück am Erzberg. Dieser Bagger verbrachte seine gesamten Einsatzjahre auf den unteren Etagen, und wurde Ende 1970 endgültig abgestellt. Nach seinen fast 30 Einsatzjahren wurde er schließlich hierhergestellt, und ist einer von weltweit nur mehr 2 erhaltenen Baggern seiner Type.

Sein Löffelinhalt ist mit 4 m³ damals schon größer gewesen als jene der 1950 folgenden Modelle PH1400 von Harnischfeger. Das Dienstgewicht dieses Baggers beträgt 195 t, wobei er in seinen Einsatzjahren noch mit einer Holzverkleidung ausgerüstet war, die ihn gegen Steinschlag bei einer Sprengung schützen soll. Die Geschwindigkeit der Raupenbänder betrug 1 km/h. Die Bagger blieben daher auch für längere Zeit auf einer Etage stationiert, bis sie durch den fortschreitenden Abbau auf eine andere Etage überstellt werden mußten.

Arbeitsgewicht: 195 t
Höhe des Auslegers: 13,75 m
Gesamtlänge: 15 m
Breite Raupenfahrwerk: 4,2 m
Motorleistung: 327 PS
Stromversorgung: 500 V Gleichstrom
Arbeitsleistung: ca. 225 t/h

 

6.)   E-Lok 200 PS Nr.8

Die ersten Dampflokomotiven gelangten 1878 auf der Förderbahn zum Präbichl zum Einsatz. In den Jahren nach 1900 wurden sie auch auf den Etagen eingesetzt, und es wurden auch die ersten Elektrolokomotiven angeschafft für die Förderung zu den Verladeanlagen. Die ersten Loks hatten eine Leistung von 25 bis 45 PS. Mit dem Baggerbetrieb wurden ab 1910 die ersten 100 PS Dampfloks eingesetzt, während es bei den E-Loks noch bis 1928 dauerte, bis auch hier die ersten 100 PS Maschinen zum Einsatz kamen.

1941/43 kamen dann insgesamt 24 Stück dieser 200 PS Loks der Firma Siemens. Die ersten 4 noch mit einer Spurweite von 830mm, alle weiteren dann mit der neuen Spurweite von 900mm. Am Erzberg waren nämlich durch den getrennten Abbau von Innerberg und Vordernberg 2 verschiedene Spurweiten vorhanden: 830mm in Innerberg und 920mm in Vordernberg. Mit der Vereinheitlichung des Abbaues wurden schließlich die beiden unterschiedlichen Spurweiten auf die damals deutsche Norm von 900mm vereinheitlicht.

Diese Loks waren auch die ersten, welche nicht nur auf den normalen Strecken mit einer Spannung von 600 Volt Gleichstrom fahren konnten, sondern auch auf den Strecken mit 1200 Volt, welche für die Abraumlokomotiven mit 900 PS eingerichtet wurden. Dazu hatten sie einen Schalter, um auf die jeweilige Spannung umzuschalten. Da die Oberleitung bei 1200 V aber viel höher war, wurde für den dauerhaften Einsatz einer 200PS Lok ein zusätzlicher Aufbau am Dach für den Stromabnehmer angebracht.

Die Höchstgeschwindigkeit der Lok betrug 20 km/h. Die Leitung erbrachten 2 Motor zu je 100 PS, die auf jeder Achse angebracht sind. Ein Förderzug bestand aus 10 Stück Krupp Kastenselbstkippern mit 6,5 m³. Bei einem Leergewicht von ca. 9 t, einer Beladung mit ca. 15 t, sowie dem Gewicht der Lok von 28 t kam der gesamte Zug auf ein Gewicht von ca. 270 t. Um auch mit den schweren 16 m³ Großraumwagen fahren zu können, wurden einige Loks auch mit einem zusätzlichen Ballastgewicht ausgerüstet, welches dann für den normalen Betrieb wieder entfernt wurde.

Bei Kriegsende 1945 mußten auch insgesamt 46 Lokomotiven als Reparationszahlungen an Rußland abgegeben werden, wobei auch hier bei dieser Loktype der Verlust am Größten war. Von den 24 Stück blieben nur 9 Stück am Erzberg. Die verbliebenen Loks erhielten im Laufe der Zeit durch diverse kleinere Umbauten ihr eigenes Aussehen, wodurch für den Experten jede der Loks auch ohne die Nummer unterschieden werden kann.

Die Loks waren u.a. bei der Zu- und Abförderung vom Leitenschacht eingesetzt, und nach dessen Schließung für die Versatzeinbringung in die Grube Liedemann und Etage 1. Die letzte Lok wurde daher auch mit der Schließung der Grube 1986 abgestellt. Bereits kurz zuvor wurde die Nr.8 hierher überstellt, wo sie seither zu bewundern ist.

Gewicht: 28 t
Länge: 6,7 m
Stromversorgung: 600 bzw. 1200 V Gleichstrom

 

7.)   Eimco 40 Wurfschaufellader mit Förderband

Der gleisgebundene Wurfschaufellader funktioniert nach demselben Prinzip wie bereits zuvor besprochen. Um auch größere Hunte als nur die 1m³ Kipper zu befüllen, kamen im Rahmen mit der ERP-Hilfe auch 3 Stück mit einem Förderband. Damit konnte nun auch die Zeltweger-Kastenselbstkipper mit 2,5 m³ befüllt werden. Im Gegensatz zu den kleineren Modellen Eimco21, welche mit der Hand seitwärts gedreht werden mußten, war der mit links zu bedienende Hebel wie beim Salzgitter-Lader in alle Richtungen beweglich, und ermöglichte in der Seitwärtsbewegung einen Schwenkbereich von jeweils 32 Grad.

Diese Lader kamen in der Grube Wegstollen zum Einsatz. Um den Verhau im Abbaufeld besser wegbaggern zu können, wurde hier ein Doppelgleis verlegt. Der Lader baggerte also zuerst auf einer Hälfte, und fuhr dann zurück zu einer Weiche, um auf das zweite Gleis zu wechseln, wo dann die andere Hälfte verladen wurde. Somit konnte der Abbau besser abgearbeitet werden. Beim eingleisigen Betrieb mußte bei den Wurfschaufelladern sonst immer mit der Hand von den Seiten das Material in den Arbeitsbereich des Laders gekratzt werden.

Mit der Umstellung des Grubenbetriebes auf gleislosen Betrieb wurden diese Geräte Anfang der 70er Jahre abgestellt.

Gewicht: 7,2 t
Löffelinhalt: 0,38 m³
Arbeitsleistung: ca. 100 – 160 t/h

 

8.)   Baggerlöffel

Dieser Baggerlöffel mit 6,1 m³ stammt vom amerikanischen P&H1900 (PH steht für Pawling & Harnischfeger). 4 Stück dieser Großbagger kamen 1970 im Zuge einer generellen Modernisierung des Tagbaues und ersetzten die bis dahin in Betrieb stehenden Bagger aus der Kriegszeit. Sie waren die größten Bagger am Erzberg, wobei aber zu erwähnen ist, daß schon 1942 ein Gigant auf den Erzberg von der Firma Demag im Einsatz war. Der hatte damals schon einen Löffelinhalt von 5,5 m³ wie es erst 30 Jahre später wieder der Fall war. Von Gewicht und Größe entsprach er damals schon dem späteren P&H1900 und überragte somit alle anderen Bagger. Er mußte nur 1945 schon wieder abgegeben werden.

Die PH1900 waren auch die letzten Elektrobagger am Erzberg, danach gibt es nur mehr Dieselbagger. 20 Jahre nach ihrer Inbetriebnahme wurde der letzte PH-Bagger 1990 abgestellt und wie die anderen verschrottet. Nur dieser Löffel blieb als Beleg für seine Größe vorhanden.

Arbeitsgewicht: 337 t
Höhe des Auslegers: 12,5 m
Gesamtlänge: 19,5 m
Breite Raupenfahrwerk: 6,7 m
Motorleistung: 600 PS
Stromversorgung: 3000 V Gleichstrom
Arbeitsleistung: ca. 650 t/h

 

9.)   Grubenfeld Aufschlagspunkt

Das Abbaugebiet ist in unzählige aneinandergrenzende Grubenfelder unterteilt. So wurden früher die Schürfrechte der einzelnen Radwerke geregelt. Ein Grubenfeld ist in der Regel rechteckig und an den Eckpunkten mit Steinen gekennzeichnet. Dazugehörig befindet sich innerhalb eines jeden Grubenfeldes ein Aufschlagspunkt-Stein, der jetzt das Radwerkszeichen trägt, um den jeweiligen Besitzer zu dokumentieren. Von diesem Stein aus werden die Eckpunkte markscheiderisch eingemessen mit Länge und Richtung, wodurch die Eckpunkte bei Verlust jederzeit wiederhergestellt werden können. Dieser zentrale Aufschlagspunkt steht irgendwo innerhalb des Grubenfeldes, wo er dem Abbau nicht hinderlich ist.

Das Schürfrecht innerhalb eines Grubenfeldes geht auf der gesamten Fläche nach unten, theoretisch bis zum Erdkern (bergmännisch ausgedrückt bis zur ewigen Teufe). Es kam aber auch vor, daß man beim Nachgehen einer Erzader horizontal unter das benachbarte Grubenfeld kam, was natürlich zu Besitzstreitigkeiten führte. Dem Markscheider (= Vermesser im Bergbau) kam daher immer schon eine wichtige Rolle zu, denn mit seiner Aufnahme der Stollen konnte man genau nachvollziehen, wo man sich auf seiner Parzelle befindet. So ein Stein ist somit der zentrale Bezugspunkt für alle Abbautätigkeiten.

 

10.)   Dietrichsteinsäule

Die Säule wurde 1782 im Auftrag von Dismas Franz Graf Dietrichstein (kaiserlicher Kammerherr, innerösterreichischer Guberinalrat in Graz und oberster Jägermeister der Steiermark) errichtet, und befand sich zusammen mit dem Kaisertisch am Kaiserrücken. Der am südlichen Rücken befindliche Aussichtspunkt befand sich auf Höhe der Ebenhöhe, der Trennlinie zwischen Innerberger und Vordernberger Erzberg. Im Sockel der Säule ist folgender Text eingraviert:

„Als man zählte nach Christi Geburt 712 hat man diesen edlen Berg zu bauen angefangen“

Dies ist die älteste Erwähnung des Abbaues am Erzberg, und war Grundlage für die 1300-Jahrfeier Erzabbau im Jahr 2012.

Nach der Errichtung vom neuen Vordernberger Berghaus, wo die Verwaltung für den Vordernbergerteil des Erzberges untergebracht war, wurde die Säule um das Jahr 1890 dorthin überstellt. Mit dem Bau vom Hugo-Stinnes-Aufzug wurde die Säule für viele Besucher zugänglich. Nach 75 Jahren wurde sie durch den Abbruch vom Berghaus 1965 hierher überstellt.

Mittlerweile hat die Säule schon ein Alter von über 230 Jahre erreicht, wobei sie keinen bestimmten Zweck für den Erzabbau hatte.

 

11.)      Schusssignal

Dieses Signal stand zuvor auf der selben Höhe, nur eben am Beginn der Abbauetage im Süden. Mit ihr wurde früher die Schußzeit ersichtlich gemacht, indem der obere Balken waagrecht gestellt und der Korb aufgezogen wurde. Über den gesamten Erzberg verteilt standen solche oder ähnliche Signale an jeder Zufahrtsmöglichkeit zum Tagbau, wobei derart große Signale auf den Hauptzufahrten standen und auf den anderen Etagen auch nur kleine mit einem Querbalken zum Einsatz kamen.

Die fixen Schußzeiten wurden früher außerdem auf allen Zufahrtsstraßen mit einer Tafel angegeben, auch in Eisenerz waren an besonders gefährdeten Stellen an den Häusern solche Tafeln zu sehen, vor allem im Krumpental.

Über den Tag verteilt waren es in den 20er und 30er Jahren 5 Schußzeiten. Während des Krieges waren dann 7 Schußzeiten, wobei diese nun von 0:30 bis 21:30 praktisch über alle 24 Stunden verteilt stattfanden. Eine Sprengung war damals aber noch nicht so wie heute über eine ganze Etagenhöhe, sondern bestand aus mehreren Etappen. Zuerst wurde unten auf Etagenhöhe der Abheber geschossen. Den Haufen nutzte man dann zum Bohren der Schlenker in der Bruchwand in Etagenmitte, und zuletzt wurde von oben noch das Kopfloch geschossen. Diese Art der Bohrungen wurde in den 50er Jahren aufgelassen, da durch größere Bohrmaschinen nur mehr die Kopf- und Sohlenlöcher gebohrt werden mußten. Mit Einführung der Großlochbohrmaschinen 1969 änderte sich der Vorgang abermals zur heute noch praktizierten Methode. Da früher aber auch immer wieder große Knauer überblieben (ein Knauer ist ein großer Stein, der händisch nicht abtransportiert werden kann), wurden zur Schußzeit oftmals auch noch Knauer gesprengt.

 

12.)      Wassertonnenaufzug Maschinhaus

Der heutige Neubau eines Maschinhauses beherbergt ein originales Antriebsrad des ersten Wassertonnenaufzuges vom Erzberg. Es wurde 1835 in Betrieb genommen und stand auf der Westseite auf Höhe vom Präbichl.

Der Erzberg wurde früher von 2 Seiten her abgebaut. Unterhalb der Ebenhöhe (= Trennlinie zwischen den Abbaugebieten) war das Innerberger Revier (Innerberg war der alte Name von Eisenerz), und oberhalb bauten die Vordernberger das Erz ab. Die Ebenhöhe befand sich in etwa 1180 m Seehöhe, also etwas unterhalb des Präbichlpaßes. Das Erz aus diesen Bereichen mußte also irgendwie auf Höhe Präbichl gelangen, um es nach Vordernberg abfördern zu können.

1831 plante der Bergverwalter der Vordernberger Radmeister Kommunität Johann Dulnig eine Förderanlage, die nicht nur aus einer Förderbahn zum Präbichl bestand, sondern auch aus 3 solcher Wassertonnenaufzüge. Als Vorlage diente ihm eine ähnliche Anlage aus Bleiberg von 1820. Das Prinzip ist recht einfach. Am oberen Ende wird ein Behälter mit Wasser gefüllt, der den am unteren Ende mit Erz befüllten Behälter durch sein höheres Gewicht nach oben zieht. Es brauchte also keinen Motor, sondern nur eine Bremsvorrichtung. Mit einem Wagen konnten 2,25 t Erz nach oben befördert werden. 1872 wurde der Aufzug schließlich zu einem Gestellaufzug umgebaut, wodurch jetzt das Überstürzen der Erze entfällt, und gleich ein ganzer Hunt mit Erz nach oben gezogen wird. Dementsprechend größer mußte dann auch der Wasserwagen sein.

Der Aufzug stand bis 1936 in Betrieb, war also 101 Jahre im täglichen Einsatz. Durch seine Nähe zur Bergsiedlung Wismath blieb er glücklicherweise erhalten, und um das Antriebsrad den Besuchern präsentieren zu können, wurde 1988 dieses Haus gebaut und das Antriebsrad hierher überstellt.

Der Platz wurde nicht ohne Grund gewählt, denn am gleichen Platz stand schon mal ein Maschinhaus, allerdings von einem Bremsberg. Hier wurde das Erz nach unten zu den Bergröstöfen transportiert, da es beim Stürzen über Schächte zu sehr zerkleinert wurde. Auch ein Bremsberg benötigt keinen Motor, da hier das Erz einen leeren Hunt nach oben zieht. Als zusätzliche Bremsvorrichtung war ein Flügelrad an der Welle angebracht, welches sich in einem Wasserbad drehte, und somit die Energie absorbierte.

 

13.)      Wassertonnenaufzug oberer Anschlag

Hier ist der obere Anschlag eines Wassertonnenaufzuges nachgebaut, wie er ursprünglich von Dulnig geplant war. Der ankommende Kasten fuhr am Ende über eine Wippe, wodurch der Inhalt in den bereitstehenden Hunt entleert werden konnte.

Es konnte aber durch eine Seilausdehnung passieren, daß der untere Wagen schon am Ende angekommen war aber der obere Wagen noch nicht entleert werden konnte. Zu diesem Zweck befand sich im Maschinhaus eine Vorrichtung, welche am Antriebsrad angehängt wurde, und dann mußte mit einer Kurbel per Hand das letzte Stück nach oben gedreht werden.

 

14.)      Rennofen

Das ist der Nachbau eines Rennofens, mit dem in der Anfangszeit das Erz geschmolzen wurde. Solche Öfen wurden am Erzberg auf der Feistawiese in der Nähe der Zahnradbahn gefunden. Sie wurden 1929 dort zwar dokumentarisch festgehalten und fotografiert, wurden jedoch letztlich durch den Sturz gänzlich überstürzt.

In Europa waren solche Öfen etwa ab dem Jahr 700 vor Christus vorhanden. Somit wurden unsere Erze seit Beginn des Abbaues in solchen Öfen verhüttet. Sie werden mit Holzkohle, Holz oder Torf angeheizt, und dann wird von oben abwechselnd zerkleinertes Erz und Holzkohle eingefüllt. Die Belüftung erfolgt in der Regel mit einem Blasebalg. Die Schlacke „rinnt“ durch eine Öffnung in eine Grube, daher der Name Rennofen. Die Eisenausbeute beträgt rund 25 bis 30% des Ofeninhalts.

In der Weiterentwicklung entstanden dann die späteren Stuck- und Floßöfen, die in den Radwerken dann schon bedeutend größer waren.

 

15.)      Schrämstollen

Ein Schrämstollen ist ein mit der Hand vorgetriebener Stollen, der vom Bergmann nur mit Hammer und Schlägel in den Berg gehauen wurde. Die charakteristische Schräge eines solchen Stollens deutet darauf hin, ob ein Rechtshänder oder Linkshänder den Stollen bearbeitet hat.

In der Regel sind es Zugangsstollen zu einer größeren Zeche, in der dann der Erzabbau erfolgte. Es kann jedoch auch ein Stollen sein, der einer Erzader in den Berg hinein folgt, wobei er dann schon etwas größer ausgestaltet ist. Die Zechen wurden früher nicht wieder versetzt, wodurch es auch zu größeren Einbrüchen kommen konnte. Im Leitenrevier geschah es daher, das 6 solcher Zechen in die darunterliegende 7. Zeche zusammenstürzten. Dieser Einsturz war auch auf der Oberfläche zu sehen und beendet den Abbau in diesem Bereich. Erst in den 40er Jahren wurde dieser Bereich dann vom Tagbau erreicht.

Dieser Schrämstollen wurde im Vordernberger Revier aufgefunden und aus dem Berg gehauen, um ihn am Gipfel des Erzberges neben dem Kaisertisch und dem Horizontstein auszustellen. Er wurde später dann hierher überstellt und in die Wand eingebaut.

In der Anfangszeit war der Erzberg mit Schrämstollen übersäht, denn es gab noch keinen großangelegten Tagbau. Es wurde lediglich dem an der Oberfläche sichtbaren Erz in die Tiefe nachgegangen. Schrämstollen gehörten damals sozusagen zum täglich Bild. Mit Beginn des Abbaues im Tagbau waren solche Stollen immer wieder mal sichtbar, im Laufe der Zeit verschwanden sie aber gänzlich aus dem Erscheinungsbild, denn so weit in die Tiefe sind die alten Baue nicht vorgedrungen, wie heute sich der Tagbau präsentiert.

 

16.)      „Glück auf“ Stollen

Wir befinden uns auf der Etage Oswaldi, welche der unterste Hauptförderhorizont am Erzberg war. Hier lief die gesamte Förderung des Innerberger Erzberges zusammen, bevor sie zur weiteren Verhüttung zu den Röstöfen bzw. zu den Hochöfen gelangte.

Das erste Fördersystem wurde bis 1815 von Johann Fortunat Sybold für den Innerberger Erzberg errichtet, und löste die bis dahin übliche Methode des Sackzuges ab. Das neue System bestand aus einer hintereinander angeordneten Abfolge von Stollen und Schächten, wobei das Erz über Schächte auf einem Horizont gesammelt wurde, und über einen weiteren Schacht nach unten zum nächsten Hauptförderhorizont gebracht wurde. So gelangte das Erz zu einer am Fuße des Berges befindlichen großen Sackzughalde, von wo die Radwerke ihren Anteil bezogen. Durch diese Sturzschächte wurde das Erz jedoch immer weiter zerkleinert, wodurch der zu dieser Zeit nicht verwertbare Feinerzanteil stieg.

Es wurde daher begonnen bis 1890 ein zweites Fördersystem zu errichten. Dabei wurden die Schächte nun durch Bremsschächte ersetzt. Diese können einen ganzen Hunt nach unten befördern und ziehen dabei gleichsam einen leeren Hunt nach oben. Außerdem wurde an deren unterem Ende ein neues großes Erzreservoir errichtet, aus dem nun u.a. die neuen Röstöfen bedient wurden.

Zu diesem Zweck mußte auch ein neuer Hauptförderstollen gebaut werden, der Glück auf Stollen. Von oben kam hier die Förderung über die Bremsschächte und aus dem Erzreservoir zusammen, und führte von hier über 3 Bremsberge weiter nach unten zu den Röstöfen. Am Kopfstein des Mundloches ist die Jahreszahl des Baues 1883 eingraviert, und ist heute einer der 3 ältesten vorhandenen Kopfsteine. (der älteste stammt von 1835) Im Jahr 1906 wurde der Stollen als zweiter am Erzberg elektrifiziert. Wenige Jahre später wurde 1912 dann das dritte Fördersystem in Betrieb genommen und die neuen Schrägschächte A + B ersetzten das bisherige Fördersystem. Diese Schächte hatten dann schon einen Motorantrieb und konnten für die Förderung in beide Richtungen eingesetzt werden.

Am Ende des Glück auf Stollens stand ein Maschinhaus für den Glückauf-Bremsberg. Im Prinzip ist es das selbe System wie bei einem Wassertonnenaufzug, nur das hier das Erz nach unten befördert wird und nur einen leeren Wagen nach oben ziehen muß. Wichtiger ist hier also die Bremsvorrichtung, die durch ein zusätzliches Rad mit Flügeln an der Welle lief und in einem Wasserbad die Energie abbaute.